EINLEITUNG

Die Beobachtung des Unbeobachtbaren


The Matrix is structured like a building. It rests atop a foundation that is built upon a substructure.

Die Matrix ist wie ein Gebäude strukturiert. Es steht auf einem Fundament, das auf einer Substruktur gebaut ist."
The Wachowskis

In diesen zwei Sätzen fassen die Wachowskis das zentrale Konstruktionsprinzip der Matrixtrilogie inklusive all ihrer Ausleger (=Matrix) zusammen.

The Matrix is structured like a building. It rests atop a foundation..."

Der Bau eines Gebäudes beginnt mit dem Bau des Fundaments; es bildet die Grundlage für alles Folgende. Nichts, was es nicht zu tragen in der Lage wäre, kann auf ihm entstehen, und doch – es bleibt der unsichtbare Teil der gesamten Konstruktion. Die Form des darauf entstehenden Gebäudes – dem sichtbaren Teil der Konstruktion – befindet sich in einem Abhängigkeitsverhältnis zur Form des Fundaments.

“...that is built upon a substructure."

Das Fundament ist wiederum auf einen Untergrund gebaut, eine noch tiefere Schicht, eine Substruktur, verborgen unterhalb des Fundaments. Die Form des Gebäudes ist geprägt durch die Form des Fundaments, die durch die Form der Substruktur geprägt ist: Die Substruktur formt das Gebäude.

Diese Gebäudeform kann in ihrer Oberflächenbeschaffenheit und in ihrer Konstruktion in Augenschein genommen werden, sie ist beobachtbar. Unsichtbar dagegen bleibt die Form der Substruktur und des darauf stehenden Fundaments; sie sind unbeobachtbar. Um allerdings die gesamte die  Erscheinung des Gebäudes konstituierende Realität zu erfassen, ist es notwendig, in der Gebäudekonstruktion neben dem Beobachtbaren auch das Unbeobachtbare zu erkennen. Formt die Substruktur das Gebäude, dann reflektiert wiederum die Gebäudeoberfläche die Form der Substruktur. Die Oberfläche verweist durch ihre Beschaffenheit auf das Verborgene. Durch Rückschlüsse, durch eine Analyse der Gebäudekonstruktion lässt sich die darunter liegende Substruktur rekonstruieren. Indirekt wird so das Unsichtbare sichtbar, das Unbeobachtbare beobachtbar.

Reflections in general are a significant theme in the film. The ideas of worlds within worlds.
The Wachowskis

Die Idee, dass sich in sichtbaren Realitäten unsichtbare reflektieren und so das Unbeobachtbare beobachtbar wird, prägt die Trilogie sowohl auf der Ebene der Form als auch auf der des Inhalts:

1. Die Gesamtkonstruktion der Filme basiert auf diesem Prinzip. Unter der Oberfläche der Handlung liegt eine weitere Bedeutungsebene verborgen. Diese weitere Ebene, die Subebene formt die Oberfläche und kann entsprechend indirekt aus ihr erschlossen werden. Durch Beobachtung der Oberfläche wird die verborgene Subebene beobachtbar.

2. Inhaltlich geht es auf der Subebene um die Frage, ob die Realität, in der wir leben – dieser unser Kosmos – durch seine beobachtbaren Komponenten vollständig beschrieben werden kann oder ob er Aspekte umfasst, die dazu nötigen, ihn zugleich als Reflektion einer weiteren unbeobachtbaren Ebene der Realität zu deuten. Benötigen wir für die Erklärung unserer Realität nur das Beobachtbare oder spiegelt sich in ihr auch etwas Unbeobachtbares?

3. Strukturell ist die Subebene als Mustervariation konstruiert. Jede Szene der Trilogie reflektiert eine oder mehrere andere Szenen. Erst zusammen betrachtet offenbaren sie ihren vollständigen Inhalt. Das ganze Bild ergibt sich nur, wenn man neben dem Beobachtbaren auch das Unbeobachtbare mit einbezieht.

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1. Die Konstruktion der Matrix


Mit „Gebäude“ bezeichnet das verwendete Bild die Oberfläche von Matrix, den augenscheinlichen Inhalt: Die chronologische Erzählung eines Konfliktes zwischen Menschen und Maschinen. Zu erwarten wäre, dass die Ausgestaltung dieser Oberfläche ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten, nämlich denen einer konsistenten Science Fiction - Erzählung folgt; statt dessen ist sie auf die Erfordernisse einer anderen, einer verborgenen Ebene hin konstruiert. Unter der Oberfläche ist eine weitere Ebene eingezogen. Diese Ebene enthält eine weitere Inhaltsebene, die mittels einer eigenen Struktur erzählt wird. Anders als im zitierten Bild wird deshalb im Folgenden zwischen Inhalt und Struktur der Subebene, also zwischen Subtext und Substruktur differenziert. Zusammen ergeben diese beiden eine weitere Bedeutungsebene.

Das bedeutet, dass die gesamte Oberfläche, alles was Matrix auszumachen scheint – das Szenario, die Orte des Geschehens, die handelnden Personen, die Handlungsverläufe, die Strukturen, die Dialoge, die Bilder, die Bildästhetik, die Bezüge nach innen und außen, bis hin zur Musik – nicht in erster Linie daraufhin konzipiert ist, eine Mensch-Maschinen-Konfliktchronologie zu erzählen; alles Beobachtbare in den Filmen folgt einer anderen, einer verborgenen Gesetzmäßigkeit. Wenn etwa Neo Smith schließlich im Krater besiegt, scheint es um einen Kampf zwischen dem Menschen Neo und dem außer Kontrolle geratenen Programm Smith zu gehen. Auf der darunter liegenden Bedeutungsebene symbolisieren die beiden gänzlich andere Kontrahenten, die in einem anderen Kontext einen anderen Konflikt austragen. Die gesamte Inszenierung dieses Kampfes im strömenden Regen ist auf diese symbolische Subebene hin ausgerichtet. Aus dieser Perspektive betrachtet, fügt sich jedes noch so kleine Detail in eine durchkonstruierte Gesamtkonzeption ein.

Die Subebene formt die Oberfläche; sie ist die alles prägende Grundlage und damit der Kern des gesamten Projekts. Die verborgene Bedeutung jedes Details ist nur aus der Perspektive dieses Kerns erkennbar; der Kern wiederum ergibt sich aus der Summe der verborgenen Bedeutungen der Details. Die Erkenntnis des Einen setzt die Erkenntnis des Anderen voraus. Der klassische hermeneutische Zirkel! Verständnis ist hier deshalb nur als fortwährender Annäherungsprozess von außen nach innen und wieder von innen nach außen möglich.

“The critics will be essatially interested in surfaces, and Philosophers will be interested in interiors.”
Larry Wachowski

Je weiter dieser Prozess fortgeschritten ist, je klarer die Vorstellungen von der Subebene werden und je mehr bestätigende Details man entdeckt hat, umso leichter wird es. Die eigentliche Hürde ist der Einstieg. Zunächst einmal muss man davon ausgehen, dass überhaupt etwas in den Filmen vorzufinden ist, dass sie mehr als eine leere Hülle sind. Außerdem braucht man eine Richtung, etwas auf das es sich zu fokussieren lohnt.

Entgegen dem üblichen Vorwurf, dass die Wachowskis ihre Fans mit dem Verständnis ihres konfusen Werkes alleine lassen, geben sie zahlreiche Hilfen. In den schriftlichen und verbalen Äußerungen, die der Öffentlichkeit zugänglich sind, finden sich zahlreiche zusammenfassende richtungsweisende Aussagen. Besonders hervorzuheben ist die „Ultimate Matrix Collection“. Der Begleittext und das Literaturverzeichnis richten die Aufmerksamkeit auf eine Reihe von Themen, die in den Filmen eine Rolle spielen. Die Grundrichtung und damit der thematische Fokus für die Analyse ergibt sich aus dem Audiokommentar von Ken Wilber. Entscheidend dabei ist die Tatsache, dass Wilber durch Gespräche mit Larry Wachowski weiß, welches Ansinnen die Wachowskis mit der Trilogie verfolgten.

I show you how deep the rabbit hole goes”.
Morpheus

Den guten alten Morpheus an dieser Stelle zu zitieren ist wahrlich platt, aber es passt einfach zu gut. Macht man sich auf den Weg in die Tiefen der Matrix-Trilogie, dann beginnt man etwas, was einen lange, sehr lange beschäftigen kann. Ich habe eine Ewigkeit gebraucht um zu entdecken, was ich bisher gefunden habe. Immer wenn ich dachte das Wesentliche erfasst zu haben, taten sich neue Tiefen und Abgründe auf, die es zu erforschen galt. Weitere Details präzisierten mein Verständnis der sie prägenden Prinzipien. Klarer umrissene Vorstellungen der Prinzipien ließen mich weitere entsprechende Details entdecken.

Durch diesen langen Prozess hatte ich ausreichend Zeit für eine Dekonstruktion der Trilogie, d.h. für eine Destruktion aller bisherigen Deutungsschemata und für eine erneute Konstruktion aus einer anderen Perspektive. Es war notwendig Matrix vollständig neu zu denken. Hätte ich zuvor die folgende Zusammenfassung dessen, was ich für den Kern der Trilogie halte, gelesen, ich hätte wahrscheinlich (auch) kein Wort geglaubt. Ein Versprechen vermag ich aber dem stirnrunzelnden Leser zu geben: Alles zunächst nur Behauptete wird irgendwann im Verlaufe dieser Arbeit begründet werden.

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2. Der Inhalt der Subebene: Der Subtext


A singular consciousness...”
Morpheus

It's the question that drives us mad.”
Trinity

The Matrix is an exploration of consciousness.”
Larry Wachowski

Die Filme präsentieren sich als moderne Mythologie: als den Versuch etwas, das von außen nicht beobachtet werden kann und damit unergründlich und rätselhaft bleibt, in Form einer episch-mythologischen Erzählung zu erforschen. Matrix erzählt die Geschichte eines einzelnen menschlichen Bewusstseins – betrachtet von der Innenseite. Die gesamte Geschichte ist eine Metapher für interne Bewusstseinsprozesse! Es wird von einem Bewusstsein berichtet, dass sich in Aufruhr befindet; es ringt um die Antwort auf eine Frage. Genauso genommen wird es getrieben von der grundlegenden Frage, der Frage nach der eigenen Selbstdefinition, die sich nur eine selbstreflexive Lebensform stellen kann: Wie kommt es, dass all die Prozesse im Gehirn, diese 100 Milliarden verschalteter Neuronen, zu einem subjektiven Innenleben des Bewussteins führen, zu der Perspektive der ersten Person? Einfacher formuliert: Was ist das Bewusstsein? Wie verhält es sich zur Materie? Gibt es jenseits der materiellen Wirklichkeit noch eine immaterielle? Welchen Ursprung hat es? Wird es ohne seine materielle Trägersubstanz weiter existieren? Ist es eine reine Reiz-Reaktionsmaschine oder gibt es einen freien Willen? Wieso empfindet es Gefühle?

Matrix offeriert zwei miteinander konkurrierende Deutungen der Wirklichkeit als Antworten:

Die Welt ist ein Uhrwerk

"There is only one constant, one universal, it is the only real truth: causality. Action. Reaction. Cause and effect."
The Merovingian

"I can see the chain reaction - the chemical precursors that signal the oneset of an emotion, designed specifically to overwhelm logic and reason."
The Architect

"Could it be for love? Illusions, Mr. Anderson. Vagaries of perception. The temporary constructs of a feeble human intellect trying desperately to justify an existence that is without meaning or purpose."
Smith

Alle Erscheinungen der Natur gehen auf Bewegungen materieller Körper zurück. Diese Bewegungen folgen den Regeln der Physik und sind somit kausal determiniert. Der Kosmos funktioniert wie ein Uhrwerk; die Zukunft ist lediglich eine Funktion des aktuellen Zustands. Der Mensch innerhalb dieses Kosmos’ ist eine Maschine, ein Automat, sklavisch eingebunden in den immer währenden Prozess von Ursache und Wirkung. Das Bewusstsein reduziert sich auf eine Begleiterscheinung materieller Prozesse, ein Nebeneffekt der zufällig der Materie innewohnenden Fähigkeit zu komplexer Formbildung. Freier Wille, der Glaube an einen umfassenden Sinn, Liebe? Alles Illusionen: Versuche des Bewusstseins sich nicht der Sinnlosigkeit der eigenen Existenz stellen zu müssen. Ohne bewusste Entscheidungen kann es keine Richtlinien geben, die diese Entscheidungen lenken. Eine übergeordnete Rechtfertigung für Werte ist nicht existent, Nihilismus die einzig logische Konsequenz.

Lassen sich alle Erscheinungsformen dieser Existenz hinreichend durch ihre materielle Oberflächenbeschaffenheit erklären, dann ist Existenz materiell, eine nichtmaterielle Ebene der Existenz nicht vorhanden. Oder erkenntnistheoretisch formuliert: Die Realität ist vollständig durch das Beobachtbare erklärbar. Sie weist nicht über sich hinaus; sie ist keine Reflektion einer unbeobachtbaren Ebene der Existenz.


Der Ursprung des Kosmos ist die Selbstentfaltung des absoluten Geistes

You can't be dead. You can't be, because I love you.
Trinity

"The answer is simple. I love my daughter very much. ... You do not understand.
I just never ...“
”... heard a program speak of love?
It's a human emotion.”
"No, it is a word. What matters is the connection the word implies.
Rama-Kandra & Neo

But I believed. I believed.
The Oracle

Am Anbeginn der Dinge steht nicht die Schöpfung der Materie und ihrer Gesetze Alles beginnt mit einer Selbstentfaltung des Geistes (hier und im Folgenden immer im transzendent-religiösen Sinne zu verstehen, wie das englische „spirit“). In diesem Schöpfungsprozess entstehen die immateriellen und die materiellen Komponenten dieses Kosmos: Das Immaterielle, der Geist formt die Materie. Das menschliche Bewusstsein ist eine rätselhafte Kombination des Materiellen und des Immateriellen.

Die Existenz eines bewussten und seine Realität hinterfragenden Verstandes - Gefühle, die sich gegen eine Reduzierung auf ihre biochemischen Anteile wehren - deren bewusstes Empfinden auf der Innenseite des Bewusstseins - das Bedürfnis nach und der Glaube an einen umfassenden Sinn : all dies sind Aspekte unserer Existenz, die nicht hinreichend von einer rein materialistischen Deutung erklärt werden können. Sie weisen über die materielle Oberfläche, über das Beobachtbare in dieser Welt hinaus auf die Existenz einer weiteren, einer unbeobachtbaren Ebene. Das Unbeobachtbare spiegelt sich im Beobachtbaren.

Die Filme erzählen die Geschichte eines kämpfenden Bewusstseins. Es ringt um die Frage nach der Wahrheit über die eigene Existenz und dem Problem, wie diese zu erkennen ist. Der Konflikt findet zwischen den beiden genannten Realitätskonstruktionen – zwischen einer materialistischen und einer Transzendenz erkennenden Deutung unserer Wirklichkeit – statt. Am Ende trifft das Bewusstsein eine Entscheidung, die seine eigene Realität radikal ändert.

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3. Die Form der Subebene: Die Substruktur


(…) to us, a chop-socky flick that comments on the Hegelian dialectic while having a guy who can fly and stop bullets is something that we are, well, damn proud of.“
The Wachowskis

"It's happening exactly as before."
Well, not exactly.”
Smith & Smith

The strange thing is, I see these patterns all the time.”
Maggie

Das wichtigste Strukturprinzip für die auf der Oberfläche erzählten Handlung – den Konflikt zwischen Menschen und Maschinen – ist die Chronologie. Neo wird befreit, er kämpft gegen die Maschinen, er stirbt: Anfang, Mittelteil, Schluss. Im Subtext geht es um die Fragen: Was bestimmt unsere Wirklichkeit? Wie lässt sich diese erkennen? Für das Erzählen dieses Subtextes verwenden die Wachowskis eine Substruktur; diese liegt verborgen unter der Chronologie und könnte übergreifend als Mustervariation bezeichnet werden.

Für dieses Strukturierungsprinzip haben sich die Wachowskis von Hegels Dialektik inspirieren lassen, einer Theorie über die Evolution von Erkenntnis. Methodisch besagt diese, dass sich Wahrheit im Verlauf der Zeit durch den Prozess von These, Antithese und Synthese konstituiert. Jede These trägt bereits ihr Gegenteil, ihr Negativ, in sich. Die Antithese ist die Ausformulierung dieses Widerspruchs und damit die Negierung der Ausgangsthese. Die Synthese hebt den Widerspruch zwischen These und Antithese auf eine andere, eine höhere Ebene, eine Ebene des tieferen Verständnisses. Aus dieser umfassenderen Perspektive höherer Ordnung betrachtet heben sich die Widersprüche auf; These und Antithese werden in einer Synthese zusammen geführt. Auch die Synthese ist nur eine neue These, allerdings stellt sie gegenüber der Ausgangsthese einen Erkenntnisgewinn dar.

In Hegels Dialektik geht es darum, das gleiche Problem nacheinander aus entgegen gesetzten Perspektiven zu betrachten und es entsprechend unterschiedlich zu deuten. Dieses methodische Strukturprinzip des Erkenntnisgewinns haben die Wachowskis transformiert in das grundlegende Strukturierungskonzept ihrer Filme. Angeordnet in einem chronologischen Nacheinander geschieht in ihren Filmen immer wieder das Gleiche: Nicht in Form von schlichten Wiederholungen, sondern aus entgegen gesetzten Perspektiven betrachtet – als Spieglung im Negativ – und somit als unterschiedliche Deutung gleichen Geschehens.

Das Wachowskische Konzept der Mustervariation integriert zwar das Hegelsche Konzept der Dialektik, aber es basiert zudem auf einer weiteren Idee, die der Beobachtung des Unbeobachtbaren: Eine einzelne Szene kann in all ihren Aspekten analysiert werden; für sich betrachtet gibt sie ihre vollständige Bedeutung nicht preis; sie weist über sich hinaus. Die Parallelen formen und reflektieren sich gegenseitig, sodass erst eine Einbeziehung der unbeobachtbaren Varianten die beobachtbare Szene in all ihren Aspekten erläutert.

Dieses Strukturkonzept der Mustervariation durchdringt Matrix auf allen Ebenen. Von der Mikroebene einzelner Bilder über ganze Szenen, von Sequenzen bis hin zur Makroebene ganzer Filme: permanent wird variiert, kontrastiert, parallelisiert, gespiegelt, reflektiert, reinterpretiert, werden Antithesen geschaffen oder wird zu Synthesen zusammengefasst. Auf diese Weise konstituieren die Wachowskis ein eigenes Bedeutungsvokabular, das in seiner Summe ein komplexes internes Bezugsystem bildet.

Wer sich auf die Suche nach Mustern begibt und die gesamte Trilogie daraufhin durcharbeitet, der wird feststellen, dass die Wachowskis sich diesem Aspekt der Filme mit extrem viel Aufmerksamkeit, Detailversessenheit, Kreativität und auch überraschend viel Humor und Selbstironie gewidmet haben. Die Filme tun zwar so, als erzählten sie eine chronologische Geschichte, doch das ist lediglich Tarnung; im Grunde genommen sind sie reine Mustervariation!

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Ausblick


Matrix
ist Mustervariation. Diesen Satz durch den Vergleich von Screenshots, Dialogen und Motiven zu belegen ist das erste Ziel dieser Seite. Das zweite ist es, aufzuzeigen, dass die Analyse und Interpretation dieser Substruktur zum oben beschriebenen Subtext führt.

Das didaktische Problem dieses Anliegens wurde oben bereits beschrieben: Die Details werden verständlich aus der Perspektive des Kerns; der Kern ergibt sich aus der Summe der Details. Das Ganze ist extrem komplex, deshalb schwierig darzustellen und wahrscheinlich auch nicht einfach nachzuvollziehen.

Trotzdem glaube ich, dass es sich lohnen könnte, sich mit dieser Seite auseinander zu setzen. Warum?

Den Wachowskis wurde immer wieder vorgeworfen, dass sie kein in sich schlüssiges Werk hinterlassen haben und der Rätsel ratenden Anhängerschaft auch keine Interpretationshilfe bieten. Beide Vorwürfe sind falsch. Dem Zuschauer wird von den Brüdern zwar keine fertige Interpretation geliefert, aber innerhalb und außerhalb ihres Werkes haben die Beiden zahlreiche Spuren gelegt. Will man wissen, welche Intention sie mit ihren Filmen verfolgen, dann reicht es diesen Spuren systematisch zu folgen. Als Hobby betrieben kann sich dieser Prozess dann schon mal ein knappes halbes Jahrzehnt hinziehen, schließlich aber erreicht man einen Punkt, an dem sich alles, und ich meine wirklich ausnahmslos alles, was in diesen Filmen zu beobachten ist, zusammenfügt und ein Gesamtkunstwerk erkennbar wird, das in seiner Art einzigartig ist und zwar in viel umfassender Weise als bereits allgemein anerkannt.

Die Bilder bleiben zwar die gleichen, aber ihre eigentliche Intention kommt erst zum Vorschein, wenn man sie aus der richtigen Perspektive betrachtet. Wenn man sie mit ihren jeweiligen Variationen zusammen denkt und die in ihnen enthaltenen Muster und Symbole erkennt, bekommen die selben Bilder eine andere Qualität und eine andere Bedeutung. Und sie beginnen eine andere Geschichte zu erzählen!

Have fun!“

 

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Matrix deconstructed - Einleitung